Seit 30 Jahren steht die Grimme-Akademie für Qualifizierung, Austausch und kritische Debatten rund um Medien und Journalismus. Ausgehend von der Überzeugung, dass Qualität nur entstehen kann, wenn Qualifikation gestärkt wird, sind in drei Jahrzehnten Seminare, Workshops, Projekte und Branchentreffen zu ganz unterschiedlichen Themen entstanden – von Recherche und Medienjournalismus bis KI, von Comedy und Unterhaltung, Factual und Dokumentarfilm bis zu Desinformation, Hate Speech und Informationskompetenz. Dazu kommen Projekte zu Migration und Inklusion in den Medien.
Die Akademie war und ist dabei immer auch ein Ort der Begegnung: für Diskussionen, Kooperationen und Netzwerke. Viele Menschen haben diese Arbeit über Jahre begleitet und geprägt – als Teilnehmende, Referent*innen oder Partner*innen.
Zum 30-jährigen Jubiläum kommen einige von ihnen hier zu Wort. Sie erzählen von persönlichen Erinnerungen, gemeinsamen Projekten und davon, was die Grimme-Akademie für sie ausmacht.
Leonhard Ottinger (Geschäftsführer RTL Journalistenschule)

Was verbindest du ganz persönlich mit der Akademie?
1998 begann für mich eine weitreichende Erfolgsgeschichte mit der Grimme-Akademie. Gemeinsam erarbeiteten wir mit jungen Journalist*innen medienjournalistische Konzepte. Viele unserer damaligen Teilnehmenden schreiben bis heute über Medien und Journalismus. Die Grimme-Akademie bietet bis heute dieses Thema als Workshop an. Gemeinsam mit den Kolleg*innen der Akademie haben wir Seminare für die RTL Journalistenschüler*innen und Weiterbildungsprojekte konzipiert und durchgeführt. Ohne die Kooperation mit der Grimme-Akademie hätte es etliche richtungsweisende Veranstaltungen so nicht gegeben – zu Themen wie journalistische Ethik und Zukunft des Journalismus, Fernsehqualität und Visual Radio oder Formatentwicklung. Und dies mit den kundigsten Branchenkennern und erfahrensten Praktikern.
Was würde (Dir) fehlen, wenn es die Akademie nicht mehr gibt?
Auf den regelmäßigen Austausch mit Aycha, Lars und Stefan möchte ich nicht verzichten. Welche Themen und Herausforderungen muss journalistische Qualifikation aufgreifen? Welche didaktischen Methoden eignen sich besser für dieses oder jenes Thema. Wer kennt einen erfahrenen Referenten für ein anstehendes Seminar. Diese vielen Anregungen und praktischen Tipps würden mir sehr fehlen, wenn es die Grimme-Akademie nicht gäbe.
Lili Masuhr (Moderatorin und Projektmanagerin für Inklusion und Digitalisierung)

Was verbindest du ganz persönlich mit der Akademie?
Mit der Grimme Akademie verbinde ich vor allem unsere Kooperation für die Fortbildung „Sprache und Bildsprache über Menschen mit Behinderung“. Dieses Thema ist deshalb so wichtig, da es in vielen journalistischen Ausbildungswegen keine Fortbildung gibt, wie eine diskriminierungsfreie Berichterstattung über Menschen mit Behinderung gelingen kann. Umso wertvoller ist es, dass die Grimme Akademie seit Jahren diesem Thema den nötigen Raum gibt, um Bewusstsein zu schaffen, weg von Klischees, hin zu einer respektvollen und barrierefreien Berichterstattung und Kommunikation. Ein besonderer Dank gilt dabei Aycha und Stefan, mit denen die Zusammenarbeit nicht nur fachlich hochprofessionell und zuverlässig, sondern auch menschlich so herzlich war, dass die gemeinsame Arbeit an diesem Projekt eine echte Bereicherung war.
Was würde (Dir) fehlen, wenn es die Akademie nicht mehr gibt?
Wenn Berichterstattung über Behinderung als Querschnittsthema betrachtet wird (Disability Mainstreaming), passt es sehr gut zu den kommenden Fortbildungen der Grimme-Akademie: Wie kann Künstliche Intelligenz so trainiert werden, dass eine moderne, inklusive (Bild-)Sprache eine alte diskriminierende ersetzt? Wie werden Interviews respektvoll mit Menschen geführt, die Seh-, Hör- oder Mobilitätseinschränkungen haben? Wie lässt sich digitale Teilhabe als demokratischer Wert noch barrierefreier gestalten? Ich würde persönlich gerne ein Seminar zum Thema "Barrierefreie Moderation" anbieten, da ich dies selbst seit zwanzig Jahren in Hörfunk-Interviews und Eventmoderationen praktiziere und gerne weitergeben möchte.
Thomas Lückerath (Gründer und Chefredakteur DWDL.de)

Was verbindest du ganz persönlich mit der Akademie?
In stürmischen Zeiten der medialen Transformation, die uns einerseits erfreuliche Vielfalt und mehr Partizipation ermöglicht, verliert sich mediale Qualität jedoch oft in einer enormen Quantität von Desinformation & Eigeninteressen. Umso wichtiger ist ein Anker wie die Grimme-Akademie, die nach qualitativen, demokratischen und kritischen Maßstäben mit ihren Angeboten wichtige Orientierung gibt und dabei Medienkompetenz über Gattungen und Trends hinweg vermittelt. Der Medienmarkt ist in Bewegung wie nie - und das ist aufregend, nicht beängstigend - wenn es diesen Anker gibt, der an Qualität und Standards festhält. Der immer wieder Fläche für Diskurs gibt für Entwicklungen, die in der Tagesaktualität untergehen aber uns nachhaltig beschäftigen sollten. Ohne die Grimme-Akademie wäre das schwieriger.
Michael Schwertel (Professor für Medienmanagement & Keynote Speaker für Künstliche Intelligenz)

Was verbindest du ganz persönlich mit der Akademie?
Meine erste Veranstaltung war 2008 in Ludwigsburg an der Filmakademie. Ich sollte den Studierenden von Erfolg in den Medien erzählen und merkte schnell, dass der Austausch mit den jungen Medienmacher*innen eine Frage in den Vordergrund schob: Wie definiert man Erfolg überhaupt?
Mein jährliches Seminar "Social und Crossmedia in der Praxis" für die Grimme-Akademie, in dem der Ausblick auf kommende Entwicklungen immer ein zentraler Teil war, zeigte mir dann eindeutig: Auch Medienprofis sind in einer rasanten Entwicklungsgeschwindigkeit gefangen. KI war bei uns schon Thema, als 2015 kaum jemand verstand, was automatisierter Journalismus oder LLMs sind. Später wurde daraus ein eigener KI-Kurs für Fortgeschrittene. Für mich war die Akademie immer der Ort, an dem ich als Trüffelschwein nach zukünftigen Entwicklungen suchen und sie mit der Branche teilen durfte, lange bevor sie Mainstream wurden.
Was würde (Dir) fehlen, wenn es die Akademie nicht mehr gibt?
Medienmacher sind Transformations-Champions, ihre Branche verändert sich schneller als jede andere. Aber wo sonst gibt es eine Akademie, die so nah am Puls bleibt und das nicht nur technisch? Wenn sich Technik entwickelt, müssen wir zwangsläufig die kulturellen und ethischen Fragen mitdenken, die das für uns Menschen aufwirft. Gerade jetzt ist das entscheidend. Bei aller Tool-Verliebtheit rund um KI braucht es einen Ort, der nach dem "Wofür?" fragt und was daraus folgt. Genau das kann die Akademie. Ohne sie würde der Branche eine ihrer wichtigsten Instanzen fehlen, um die richtigen Chancen zu identifizieren.
Kurz gesagt: Die Grimme-Akademie ist der Ort, an dem aus Medientechnologie auch Haltung wird.
Stephan Weichert (Direktor und Gründer VOCER-Institut für Digitale Resilienz)
Was verbindest du ganz persönlich mit der Akademie?
Mit der Grimme-Akademie verbinde ich seit vielen Jahren vor allem eines: einen selten gewordenen Ort für ernsthafte Debatten über Medienqualität, Öffentlichkeit und Verantwortung. Ich habe die Akademie immer als Raum erlebt, in dem nicht nur Trends verwaltet, sondern Entwicklungen kritisch hinterfragt werden – mit Neugier, Streitlust und intellektueller Offenheit. Gerade in einer Branche, die zunehmend unter ökonomischem und technologischem Druck steht, ist das alles andere als selbstverständlich.
Was würde (Dir) fehlen, wenn es die Akademie nicht mehr gibt?
Besonders wichtig finde ich bis heute den Fokus auf Medienjournalismus und Medienkritik. Für mich gehören sie zu den wichtigsten Bereichen des Journalismus überhaupt, obwohl sie vielerorts massiv abgebaut werden. Wenn es keinen intakten Medienjournalismus mehr gibt, verliert die Branche ihre Fähigkeit zur Selbstbeobachtung. Und ohne kritische Medienbeobachtung erodiert das Mediensystem schleichend weiter – nicht nur publizistisch, sondern auch demokratisch.
Jens Klocke (Autor, Trainer und systemischer Coach)

Was verbindest du ganz persönlich mit der Akademie?
Seit über 13 Jahren darf ich für die Grimme-Akademie das Seminar „Selber Texten fürs TV" geben – und ich tue das immer noch sehr gerne. Was mich hält? Die interessierten Teilnehmer*innen und die netten Kolleginnen und Kollegen. Die Akademie schafft etwas, das in der Branche selten geworden ist: einen Raum, in dem echtes Lernen stattfindet – auf Augenhöhe, ohne Zeitdruck, mit echter Neugier auf beiden Seiten.
Meine eigene Haltung bringe ich dabei immer mit: Ständiges Lernen macht souverän und demütig zugleich. Dass ich das als Dozent weitergeben kann, ist ein Privileg.
Was würde (Dir) fehlen, wenn es die Akademie nicht mehr gibt?
In vielen Redaktionen nehmen sich nicht mehr viele Kolleg*innen die Zeit, den Nachwuchs angemessen zu fördern. Zum Glück gibt es ja die Grimme-Akademie – diesen Satz habe ich einmal gesagt und er gilt heute mehr denn je. Wenn dieser Ort wegfiele, würde der Branche ein unersetzlicher Ort für Qualifizierung, Austausch und kritisches Nachdenken fehlen. Kein Verband, keine Plattform, keine Redaktion kann das ersetzen.
Melvin Schwertel (freier Journalist und Moderator)

Was verbindest du ganz persönlich mit der Akademie?
Ich verbinde mit der Akademie einen Ort für Austausch. Menschen aus verschiedenen Richtungen kommen zusammen, um voneinander zu lernen. Besonders wichtig finde ich die Förderung von jungen Leuten - so bietet die Akademie das Seminar “Über Medien informieren” an, um junge Medienjournalist*innen zu unterstützen. Als ehemaliger Teilnehmer konnte ich wichtige Kontakte aufbauen, die mir noch heute weiterhelfen. Danke für 30 Jahre Qualitätssicherung der deutschen Medienlandschaft.
Was würde (Dir) fehlen, wenn es die Akademie nicht mehr gibt?
Ohne die Akademie würde die deutsche Medienlandschaft an Qualität verlieren. Davon bin ich überzeugt. Nicht nur, weil Räume zum Austausch fehlen würden, sondern auch weil gute Projekte übersehen würden. In einer Zeit der Fake News und KI muss diese Qualität aber hochgehalten werden. Der Akademie gelingt es mit einem ausgeprägten Riecher wertvolle Inhalte zu unterstützen. Sonst würden einige dieser Inhalte im Nichts versanden.
