„Über Medien informieren“ – das war unser 3-tägiges Seminar zum Medienjournalismus!
„Wer beobachtet und bewertet eigentlich die Medien?“ Um diese Frage drehte sich letzte Woche alles im Seminar in Köln. Gemeinsam mit 15 Nachwuchsjournalist*innen und 11 Medienprofis entstand eine persönliche Atmosphäre, die den offenen Austausch mit den Fachleuten der Branche ermöglichte. Die Gruppe diskutierte gemeinsam Fragen zu Medienvertrauen, Qualitätssicherung und den Herausforderungen des Medienjournalismus.
Zu Beginn wurden die Teilnehmenden direkt ins kalte Wasser geworfen und durften im Gespräch mit Stefan Raue, dem Intendanten des Deutschlandfunks, ihre Fragen stellen. Dabei wurde klar, dass ein breites Interesse an medienjournalistischen Themen und Erfahrungen in der Gruppe vorhanden ist. Als Grundlage für die kommenden Tage wurde gemeinsam mit Steffen Grütjen (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) eine Definition des Medienjournalismus erarbeitet und ein Überblick über die Branchenlandschaft in Deutschland vermittelt.
Der zweite Tag startete mit einem Besuch bei RTL Deutschland. Leonhard Ottinger, Geschäftsführer der RTL Journalistenschule, beleuchtete wie eine journalistische Ausbildung im Haus aussieht und Sabine Kreft (Vice President Multichannel Kids & Consumer Products), zeigte, wie die tagtäglichen Herausforderungen und Anfragen in der Kommunikation aussehen. Der Nachmittag bot den Teilnehmenden die Möglichkeit Frederik von Castell vom medium magazin zu befragen. Auch öffentlich-rechtliche Formate, darunter Töne, Texte, Bilder (WDR) und @mediasres (DLF) waren vertreten und gaben Einblicke in den Alltag von Medienjournalist*innen. Mit Lukas Schöne vom MedienNetzwerk Bayern, wurde das Potential für indirekten vs. expliziten Medienjournalismus in Podcasts diskutiert.
Am letzten Tag boten Thomas Lückerath von DWDL.de und Annika Schneider von Übermedien Einblicke in ihre medienkritische Arbeit für unabhängige Branchenmedien. Zum Abschluss wurde die Perspektive auf die Branche mit Elisabeth Ries, einer ehemaligen Seminarteilnehmerin, und ihrem Format X und Y – der Podcast über Medien und Feminismus noch erweitert.
Der offene Austausch mit den Branchenprofis hat gezeigt, dass die Herausforderungen im Medienjournalismus vielfältig sind und die Arbeit umso wichtiger. Die unterschiedlichen Formate und das Engagement der jungen Journalist*innen zeigen uns, dass die Medien nicht nur begleitet werden sollten, sondern auch kritisch hinterfragt und weiterentwickelt.
Mit dabei waren Steffen Grütjen (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt), Martin Krebbers (Deutschlandfunk), Thomas Lückerath (DWDL), Sabine Kreft (RTL Deutschland), Leonhard Ottinger (RTL Journalistenschule), Stefan Raue (Deutschlandradio), Elisabeth Ries (X und Y Podcast), Annika Schneider (Übermedien), Lukas Schöne (MedienNetzwerk Bayern), Frederik von Castell (medium) und Martha Wilczynski (WDR).
Seminar
Das dreitägige Seminar „Über Medien informieren“ bietet einen Überblick der wesentlichen Felder medienjournalistischen Arbeitens und vermittelt dabei Grundlagen über den Medienmarkt. Journalist*innen, die am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen, bekommen hier Einblicke in ausgewählte Formate und sammeln Kontakte in diesem besonderen Feld des Journalismus:
Referent*innen aus Hörfunk, TV, Print und Online stellen sich und ihre Formate vor und diskutieren mit den Teilnehmenden relevante Fragestellungen. Eine Exkursion zu RTL rundet das Programm ab. Das Interesse an einer aktiven Teilnahme im Seminar wird vorausgesetzt: In den Diskussionen, den Gesprächen mit den Gästen sowie in kurzen Übungsphasen.
Zielgruppe
Das Seminar richtet sich insbesondere an Nachwuchsjournalist*innen (Studierende, Volontär*innen, Berufseinsteiger*innen) mit Interesse an der Medienberichterstattung. Erste berufliche Erfahrungen (Praktika, Volontariat, freie Mitarbeit etc.) sollten vorhanden sein. Eine Altersbegrenzung besteht nicht. Bewerben können sich Interessierte, die sich einen Einblick über das Arbeitsfeld Medienjournalismus verschaffen möchten und Spaß an Gesprächen und Diskussionen mitbringen.
Bewerbungsverfahren
Die Grimme-Akademie schreibt das Seminar für maximal 15 Plätze aus.
Informationen
Grimme-Akademie
Stefan Schröer
Telefon: 02365 9189-45
E-Mail: akademie@grimme-institut.de
Unterstützt durch

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Das sagen Teilnehmer*innen über das Seminar
Elisabeth Ries
Elli Ries ist Wissenschaftsredakteurin bei Twentytwo Film. Sie produziert und hostet außerdem als Freie Journalistin „X und Y - Der Podcast über Medien und Feminismus“, wo sie einmal im Monat aus feministischer Perspektive auf die Medienwelt blickt. Volontiert hat sie an der RTL Journalistenschule und vorher Ressortjournalismus und Multimediale Kommunikation studiert. Sie war Teilnehmerin des Seminars 2025.
„Tagesaktuelle Medien sind mit den rasanten politischen Umschwüngen heute kaum in der Lage, mehr als ein pures Abbilden zu leisten; Hinterfragen und Einordnen bleiben in der Schnelllebigkeit des Internetzeitalters auf der Strecke. Als Medienkonsumentin finde ich das zunehmend ermüdend, als Journalistin finde ich es teils brandgefährlich. Das Seminar der Grimme-Akademie setzt genau da an: Wir dürfen uns nicht ausruhen auf dem, was immer schon so war, sondern sollten unseren Journalismus hinterfragen, so oft und so weitreichend es geht. Medienjournalismus in all den verschiedenen Formen und Menschen, wie wir im Seminar kennengelernt haben, kann ein Baustein dafür sein und ich kann diese drei selbstkritischen Tage voller Austausch nur empfehlen!"
Melvin Schwertel
Melvin Schwertel ist freier Journalist und Moderator in Köln. Er arbeitet unter anderem für das Politikum bei WDR5 und den Deutschlandfunk, wo er gesellschaftspolitische Themen verständlich aufarbeitet. Außerdem studiert er Medienkulturwissenschaft und Philosophie an der Universität zu Köln. Im universitären Kontext leitet und moderiert er die Politiksendung des Studierendenradios. Er war Teilnehmer des Seminars 2024.
„Immer mehr Menschen verlieren das Vertrauen in uns. Als junger Journalist bekommt man diese Tendenz häufig zu spüren. Hinzukommen die verschiedenen Krisen, die die Problematik verstärken. Das Seminar „Über Medien informieren 2024“ bietet eine Lösungsmöglichkeit an. Wenn wir uns und unsere Berichterstattung hinterfragen, schaffen wir nicht nur dringend notwendige Transparenz, sondern wir nehmen Menschen an die Hand. In dem Moment der Selbstkritik zeigen wir also, dass wir nicht nur austeilen können mit scharfer Kritik, sondern auch einstecken können. Das macht uns nahbarer und damit auch unsere Berichterstattung. Ich habe einige Erkenntnisse von den Referent*innen mitnehmen dürfen, aber die eindringlichste ist: Wagt Selbstkritik - es wird sich lohnen.“
Klara Hofmann
Klara Hofmann arbeitet als multimediale Reporterin für den SWR-Hörfunk, Online und als Social-Reporterin für DASDING sowie als Freie im WDR Newsroom. Davor studierte sie Sozial- und Organisationspädagogik in Trier und Toronto. Sie war Teilnehmerin des Seminars 2023.
„Ein Seminar, in dem nicht nur eine ganze Bandbreite von Referent:innen aus dem Medienjournalismus über ihre Arbeit sprechen, sondern vor allem auch die Möglichkeit zum direkten Austausch mit ihnen gibt. Und genau das war so bereichernd für mich: Das Seminar gibt viele Einblicke in unterschiedliche medienjournalistische Formate, es gibt Raum für (Selbst-)Reflexion über die eigene Arbeit und macht klar: In Zeiten von Kriegen und Krisen, Herausforderungen der Digitalisierung wie dem Einsatz von künstlicher Intelligenz und teils schwankendem Medienvertrauen ist starker Medienjournalismus mehr denn je ein essentieller Teil des Journalismus. Es war toll, eine so starke Vernetzung innerhalb der Seminargruppe zu erleben - sodass wir abends noch zusammensaßen und über die Inputs der Tage diskutiert haben. Solche wertvollen Seminare sollte es viel öfter geben!“
