Veranstaltungsdokumentation

Was gab's zu lachen? Comedy in TV und Netz 2020

Eine Zuschauermenge im Studio der heute-show, im Fokus ist ein junger Mann
Foto: Stefan Schröer / Grimme-Institut

Nach vier Jahren Pause: Endlich wieder eine Fachtagung zu Comedy in TV und Netz

Über 150 Comedy-Macher*innen aus ganz Deutschland trafen sich am 13. Februar in Köln, um die wichtigste Frage der Branche zu diskutieren: „Was gibt’s zu lachen?“ So auch der Titel der Tagung, zu der die Grimme-Akademie gemeinsam mit next step next crossmedia, Prime Productions und Unique Media Entertainment eingeladen hatte. Zusammen wollten Künstler*innen, Entscheider*innen und Autor*innen diskutieren, wohin sich die Branche entwickelt, wie der Humor von morgen aussehen wird und welche Formate im Fernsehen und im Netz man sich dafür heute schon merken sollte.

Die Eröffnung

Traditionell und zum Thema passend fand die Veranstaltung im Studio der „heute-show“ statt. Zuletzt hatte „Was gibt’s zu lachen?“ eine vierjährige Pause eingelegt, die mit der jetzigen Neuauflage beendet wurde. „Ich freue mich, dass das Interesse an diesem Format immer noch so groß ist“, sagte Aycha Riffi, Leiterin der Grimme-Akademie, zur Eröffnung. „Und ich hoffe, dass wir heute viel mitnehmen, uns austauschen und dass es auch mit dem Netzwerken klappt.“
Jochen Voss von next step next crossmedia startete inhaltlich mit einem Vortrag zu „Trends und Tendenzen im Witzgewerbe“. Besonders aufgefallen seien ihm, wie er sagte, drei Entwicklungen: Comedy-Formate fänden mittlerweile auf vielen Plattformen statt und dadurch gebe es immer mehr Spielflächen für Kreative. Gleichzeitig würden die Köpfe zunehmend zu eigenen Marken, während die Formate eher in den Hintergrund treten. Und drittens werde die Comedy, auch bedingt durch aktuelle politische Entwicklungen, immer ernsthafter. „Da findet Lachen als lustvolle Verarbeitung von Schmerz statt“, erklärte er.

Diese Verschiebung nimmt auch Andreas Wecker wahr. Der Producer, der für Network Movie arbeitet, beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der Frage, wie sich das Schreiben für die Comedy verändert. „Die Comedy fängt langsam an, sich auch an Politik zu wagen – was im deutschen Fernsehen bisher dem Krimi vorbehalten war“, sagte er. Er sei froh, dass sich das jetzt ändere, doch neue Ideen verlangten auch neue Wege in den Redaktionen. Ausgehend von seiner eigenen Erfahrung bei Network Movie berichtete Wecker von dem Konzept eines Writers‘ Rooms, in dem Autor*innen zusammen an Texten arbeiten. „‘Made in Germany‘ muss auch in der Comedy ein Qualitätsmerkmal werden“, forderte Wecker. „Bisher wird leider immer noch davon ausgegangen, dass Deutschland keinen Humor hat.“

Gender Imbalance in Comedy

Wer in Deutschland Humor nach außen hin vertreten darf, wurde anschließend im ersten Panel des Tages diskutiert. Nach einer kurzen Einführung von Damaris Sánchez Parellada, die Comedy-Formate für das ZDF und funk betreut, diskutierten die Comedy-Autorin Mariella Tripke und die WDR-Redakteurin Elke Thomessen über das Ungleichgewicht der Geschlechterverhältnisse auf und hinter deutschen Comedy-Bühnen. „Die Diskussion führe ich gefühlt, seit ich fünfzehn bin“, sagte Thomessen. „Und es ist auch heute noch so, dass Frauen oft nicht berücksichtigt werden, obwohl sie qualifiziert sind.“ Ihrer Meinung nach liege das an Männernetzwerken, die Jobs und Aufträge untereinander vergeben. Aus diesem Grund sprach sie sich, ebenso wie Tripke, für eine Quote aus. „Das darf aber nur ein Zwischenschritt sein, auf Dauer müssen wir zu einer Selbstverständlichkeit kommen“, gab Tripke zu bedenken. „Ich möchte ja nicht angefragt werden, nur weil ich eine Frau bin.“
 

Twitter-Beirag mit Beispielen rein männlich besetzter LateNight-Shows auf einer Videoleinwand

Comedy mit Social Impact

Wie Comedy-Macher*innen auf internationaler Ebene zusammenarbeiten können, berichtete Omri Marcus aus Tel Aviv, in seiner Keynote. Der Autor begann seine Karriere bei einer bekannten israelischen Comedyserie. Später verlegte er sich darauf, Comedy aus der ganzen Welt zu vernetzen, und gründete die Organisation „Comedy for Change“: „Gerade in Zeiten, in denen politische Witzfiguren tatsächlich gewählt werden, haben wir eine Verpflichtung dem Publikum gegenüber.“ Allein im letzten Jahr hat „Comedy for Change“ zwei Projekte organisiert: Eine Konferenz mit Trump-Imitatoren aus aller Welt sowie die erste Verleihung der „Finger Awards“, die mutige Comedy auszeichnen sollen. Auf dem anschließenden Panel tauschte sich Marcus mit Comedian Till Reiners und Sandra Lehner von der Agentur Jung von Matt darüber aus, wie Comedy genau das erreichen kann – mutiger werden. „Ich denke, dass die Comedy besonders hierzulande von der Idee weg muss, dem Publikum einen schönen Abend zu bereiten“, sagte Reiners. „Ein guter Witz ist nicht nett, sondern schmerzt im Magen. Das will ich in den Gesichtern des Publikums sehen.“

Podium: Was kann, darf, will und soll Comedy?

Zum Abschluss moderierte DWDL.de-Chefreporter Torsten Zarges eine Podiumsdiskussion der Entscheider*innen. Mit Roman Beuler (ZDF), Wolfgang Link (UME) und Georg Hirschberg (Prime Productions) waren die Verantwortlichen für Fernsehcomedy leicht in der Überzahl, Anja Räßler von Rocket Beans Entertainment und Thomas Weigel von „Wisst ihr noch?“ setzten den dreien ihre Erfahrungen in der Netzcomedy entgegen. Dabei zeigte sich: Bei allen Unterschieden sind beide Zweige doch dabei, sich aufeinander zuzubewegen. Natürlich lerne man in der Redaktion von Rocket Beans TV auch vom klassischen Fernsehen, erklärte Anja Räßler. Gleichzeitig sind die Macher der Fernsehcomedy dabei, ihre Inhalte und ihr Marketing immer mehr ins Internet zu verlagern. „Ein 360°-Ansatz, das wird die Aufgabe für alle Produktionshäuser“, sagte Georg Hirschberg. Kompetenzen können und müssen die Akteur*innen dafür auch voneinander lernen.

 
Eine Veranstaltung von Grimme-Akademie und next step next crossmedia in Kooperation mit
Was gibt's zu lachen? Comedy in TV und Netz 2020 - Bildquelle: Stefan Schröer / Grimme-Institut
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