Thirtysomething

Drei Jahrzehnte Grimme-Akademie

Mit 30 Jahren ist man vergleichsweise jung – und hat im besten Fall noch viele Jahre vor sich. Zugleich ist man längst volljährig, geschäftsfähig, und die Ausbildung ist in der Regel erfolgreich abgeschlossen. Die ersten Schritte sind gemacht, erste Erfahrungen gesammelt.

Die berufliche Ausrichtung ist klar konturiert, lässt aber Raum für Flexibilität und Innovation: viel Zukunft also. Netzwerke sind gewachsen, verlässliche Partnerschaften entstanden, und eine beachtliche Vita dokumentiert die bisherigen Aktivitäten.

Kurzum: ein überzeugender Zwischenstand. Wäre die Grimme-Akademie ein Mensch, träfe diese Beschreibung ziemlich genau zu – und klänge allemal lebendiger als die nüchterne Feststellung: Die Grimme-Akademie wird 30.

Was bisher geschah

Am Anfang stand die Ankündigung: „Fortbildung auf hohem Niveau. Adolf-Grimme-Institut plant Deutsche Medienakademie“ – so titelte der Informationsdienst agenda im Sommer 1993. Dort hieß es:

„Im Adolf-Grimme-Institut werden derzeit Pläne für den Aufbau einer Deutschen Medienakademie geschmiedet. Vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium hat das Institut den Auftrag erhalten, die Einrichtung eines hochrangigen Weiterbildungszentrums für Medienberufe in Marl zu planen. […] Neben Fachseminaren, Workshops, Trainings- und Kompaktkursen, Management- und Marketingangeboten sowie Spezialformaten für Unternehmen der AV- und Printbranche werden auch innerbetriebliche und redaktionsnahe Angebote konzipiert.“

Auf Realisierbarkeits- und Machbarkeitsstudien, Konzepte, Förderanträge und zahlreiche Gespräche folgte schließlich 1996 die Gründung der Adolf-Grimme-Akademie, heute Grimme-Akademie. Die Initiatoren bewiesen Ausdauer; Ziele und Inhalte wurden dabei kontinuierlich weiterentwickelt und geschärft.

Gegründet und zunächst geleitet wurde die Akademie 1996 von Heinz Günter Clobes – ihrem prägenden Kopf und Motor. Von Beginn an unverzichtbar war zudem Hildegard Engler, die bis 2014 mit großem Engagement für die Akademie tätig war.

Bei der offiziellen Vorstellung der Akademie am 24. April 1997 in Köln formulierte Dr. Hans Paukens, damaliger Geschäftsführer des Grimme-Instituts (1995–2001), den programmatischen Anspruch: „Unser Ziel ist es, handwerkliche Qualifikation mit beruflicher Reflexion zu verbinden.“

Stärker als in den ersten Entwürfen rückte dabei die Förderung des Mediennachwuchses in den Mittelpunkt. Heinz Günter Clobes betonte:

„Ein Schwerpunkt liegt auf der Qualifizierung von Nachwuchskräften – sowohl inhaltlich als auch technisch. […] Darüber hinaus will die Akademie Trends sichtbar machen und die Entstehung neuer Berufsfelder für ein Fachpublikum beobachten“ (epd medien, Nr. 31 vom 26. April 1997, S. 20).

Akademie heute: Fortbildung, Vernetzung, Diskurs 

Dieser Grundidee ist die Grimme-Akademie bis heute treu geblieben – auch als 2010 Aycha Riffi die Leitung übernahm. Dafür stehen Formate wie „Qualifizierung kompakt“, der RadioNetzwerkTag, das jährliche Seminar zum Medienjournalismus „Über Medien informieren“, die DocuMasterclass oder die Comedy Masterclass: es geht um praxisnahe Weiterbildung und fachlichen Austausch – immer stärker mit Blick auf die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft.

Umgesetzt werden diese Angebote überwiegend in Zusammenarbeit mit starken Partnern – darunter Landesmedienanstalten, Produktionsfirmen, Sender, Hochschulen, VHS’en und vielen Medieninstitutionen und -Firmen: u.a.: RTL-Journalistenschule, DWDL.de, Deutschlandfunk, den CoJoking Space, doxs!, Prime Productions, Bavaria Entertainment, Netzwerk Journalismus, vocer

Auch die Analyse und Einordnung von Medientrends gehört weiter zum Profil: etwa durch Studien zu TV-Programmstrategien oder Publikationen zur Zukunft des Bewegtbilds („Einfach fernsehen?“, 2013), zu problematischen Entwicklungen der Online-Kommunikation („Online Hate Speech“, 2017) oder zur synthetischen Stimmgenerierung im Audiobereich („Mediale Stimmentwürfe“, 2022).

Hinzu kommen zahlreiche Projekte – auch auf europäischer Ebene – wie „Migrants in the Media“, „media4us“ oder „BRICkS“, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen und medialen Herausforderungen auseinandersetzen.

Insbesondere „BRICkS – Building Respect on the Internet by Combating Hate Speech“ steht für ein Thema, das sich seit 2014 wie ein roter Faden durch die Institutsarbeit zieht. Längst werden hier weiterführende Aspekte aufgegriffen, die alle gesellschaftlichen Gruppen und Berufsfelder betreffen.

Ende 2018 wurden die Erfahrungen und Ergebnisse aus BRICkS für die Abteilung Politische Jugendmedienbildung des DVV aktualisiert und weiterentwickelt. Ergebnis war die erste „Modulbox“ „Politische Medienbildung für Jugendliche und junge Erwachsene. Auf Hate Speech und Fake News reagieren“ (2018). Darauf aufbauend entstand eine weitere Ausgabe, die sich mit Verschwörungserzählungen auseinandersetzt: „Politische Medienbildung für Jugendliche und junge Erwachsene. Auf Verschwörungserzählungen reagieren“ (2021).

Im digitalen Heute kann jede*r im Netz sowohl konsumierend als auch produzierend agieren. Die Herausforderungen liegen im kompetenten Umgang mit Informationsfluten und im sicheren Erkennen vertrauenswürdiger Quellen. Hier setzte das Projekt DINA an, das frei zugängliche Lehr- und Lernmaterialien bereitstellt – im Auftrag der Staatskanzlei NRW: „Digitale Informations- und Nachrichtenkompetenz aktivieren“, 2022).

Seit 2025 realisiert die Grimme-Akademie zudem ein Medienkulturangebot gemeinsam mit den Stadtwerken Goch. Es ist nicht die erste Kooperation: Bereits 2009 bis 2011 wurde mit „GochTV“ ein partizipatives Webprojekt umgesetzt.

Dank und Ausblick

Mit 30 präsentiert die Akademie einen „überzeugender Zwischenstand“, thematisch auf der Höhe der Zeit, eng an den Herausforderungen der digitalen Gesellschaft, mit praxisnahen Weiterbildungen und Angeboten zum fachlichen Austausch. Das Ziel ist näher gerückt, handwerkliche Qualifikation mit beruflicher Reflexion zu verbinden, bleibt aber auch Zielvorstellung für die Zukunft.

Deutlich ist auch: 30 Jahre Grimme-Akademie sind vor allem das Ergebnis gemeinsamer Arbeit. Deshalb gilt der Dank zunächst den Gründern – allen voran Heinz Günter Clobes – sowie allen ehemaligen Kolleg*innen, Mitarbeiter*innen und Praktikant*innen; stellvertretend genannt: Hildegard Engler, Karl Wachtel, Catrin Grabkowsky, Jana Wiechers, Judith Kirberger und Astrid Obermanns.

Ebenso gilt der Dank den Referent*innen, Trainer*innen und Kooperationspartnern für die produktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit – auf weiterhin gute und vor allem gemeinsame Projekte!